Die Fachleute meinen, es sei unmöglich, die Violine mit der Trompete zu verbinden - was könnte dabei schon herauskommen? Etwas phantastisch Einmaliges, wovon man sich am 12. April überzeugen kann. Der berühmte Zigeunergeiger Félix Lajkó und der nicht weniger bekannte Boban Markovitsch werden diese Woche in genau dieser Kombination in der Körcsarnok (Rundhalle) zusammen auftreten.
Lajkó und Markovitsch musizierten übrigens schon einmal bei der vierjährigen Geburtstagsparty des Fonó zusammen. Nach dem riesigen Erfolg entschieden sich die Organisatoren, diese Zusammensetzung erstens in einem noch größeren Rahmen zu zeigen und zweitens, dieses musikalische Unicum wegen der großen Nachfrage auf einer Platte zu verewigen. Obwohl beide ihren eigenen Stil haben und auch schon jeweils über zahlreiche Fans verfügen, mögen sie die Zuhörer zusammen noch lieber.
Félix Lajkó ist erst 25 Jahre alt, aber nach der Meinung von Musikexperten (und der von Gehörlosen) haben seine Platten einen Klang, anhand dessen man ihn schon nach einem einzigen Takt erkennt. Lajkós Musik ist eigentlich ein Sammelbecken, da sie am besten als eine Fusion von zeitgenössischer Musik, archaischer Volksmusik und Jazz beschrieben werden könnte. Dass er das Ganze noch steigern kann, ist seinem in der Volksmusik der Zigeuner wurzelnden und so herausragenden Improvisationskunst zu verdanken. Die Kenner vergleichen den ungarischen Virtuosen meistens mit Nigel Kennedy und Vanessa Mae.
Gerüchte über ihn machen die Runde. Er wird als wild und ungezügelt beschrieben. Als Kind soll er Zither gespielt haben, aber nachdem er an diesem Instrument nichts Neues mehr fand, warf er sie mit einer lockeren Bewegung von sich, nahm sich am nächsten Tag die Geige vor, und gibt sie seither nicht mehr aus der Hand. Solche Legenden decken sich natürlich nicht immer mit der Wahrheit. Und doch: In den vergangenen fünf Jahren fanden alle seiner Konzerte vor ausverkauften Haus statt - und es war egal, wie groß der Raum war, in dem er spielte. In Ungarn hat er eigentlich schon alles erreicht; nun will er das Ausland noch mehr als bisher erobern. Teils auch aus diesem Grund spielt er nun mit einer bereits weltbekannten Gruppe zusammen.
Die jetzt erscheinende CD, die Lajkó mit der Gruppe von Boban Markovitsch gemeinsam aufgenommen hat, hatte schon eine Vorgeschichte. Zum ersten Mal arbeiteten sie im Herbst 1998 bei der Aufnahme der Filmmusik zu "Räder" zusammen. Danach nahmen sie zusammen an mehreren Festivals teil, und anschließend zogen sie ins Studio. Auf der neuen Platte mischt sich Lajkós eigenartiger Stil mit den balkanisch-serbischen Klängen des Markovitsch- Ensembles. Türkische Soldatenmusik gemischt mit der serbischen Volksmusik (Boban Markovitsch und seine Gruppe leben in Vladitschin Han in Süd-Serbien), eine Menge Bläser, Schlagzeug und auf der jetzigen Platte auch noch eine Violine.
Die meisten Bläserensembles gehen in Serbien aus "Familienunternehmen" hervor - bei Markovitsch war es nicht anders. Dank einer dieser "Familientouren" wurden sie urplötzlich weltbekannt, als jemand auf sie aufmerksam wurde: Wegen Markovitschs durchdachter Instrumentenverteilung, seiner hervorragenden Ausbildung, virtuosen Instrumentenbeherrschung und seines in der Musik lebenden Herzens entschied sich der Regisseur Emir Kusturica endgültig für das Ensemble seiner ehemaligen Heimat. Die elfköpfige Gruppe arbeitet nun seit 16 Jahren außer mit ihrem Entdecker Kusturica noch mit anderen Regisseuren zusammen. Mehrere Kusturica-Filme wären ohne sie schlicht undenkbar (Arizona Dreams, Underground, Cigányok ideje, Macska-jaj).
Über die Vorgruppe des Konzertes in der Körcsarnok hört man auch nur Gutes: Das Vertetics Orkestra aus Szentendre wurde von jungen Musikern gegründet, die bulgarische, mazedonische und serbische Musik spielen. Ihr Leiter ist der Akkordeonspieler Vertetics Slobodan, der die Zuschauer für die Lajkó-Markovitsch Duo anfeuern soll.